Wenn Katzen alt werden

Katze; Rechte: WDR (TV-Bild)

Katzensenior

Im Durchschnitt können Katzen 15 bis 16 Jahre, manche Samtpfoten sogar 20 Jahre alt werden. Ab etwa zwölf Jahren bezeichnet man eine Katze als alt. Wenn Katzen alt werden, müssen sich die Halter auf ein paar Veränderungen einstellen.

Monika Addy und ihre Senioren

Tierpsychologin M. Addy hat in Lünen ein Haus voller Katzen, junge und alte Samtpfoten. Kater Leopold ist bereits 14 Jahre alt. Das sind fast 80 Menschenjahre. Deshalb ist der Freigänger immer öfter zu Hause, denn drinnen ist es wesentlich kuscheliger und wärmer als draußen. Auf dem Küchenschrank liegt die alte Gertrud am liebsten. Hier oben hat die 16-Jährige genug Ruhe für ihr Nickerchen. Das ist für das Wohlbefinden alter Katzen wichtig. Mit dem Alter ist sie ganz schön stur und eigensinnig geworden. Auf die Eigenheiten hat sich die Fachfrau mittlerweile gut eingestellt. Wenn die alte Gertrud mitten in der Nacht schreit, weil sie sich alleine fühlt, erhält sie von der Psychologin erst einmal beruhigende Streicheleinheiten, auch wenn Gertrud manchmal die Wand anstarrt und nicht mehr reagiert.

Alles geht langsamer

Katze beim Treppensteigen; Rechte: WDR (TV-Bild)

Lästiges Treppensteigen

Halterin M.Addy beobachtet regelmäßig ihre Senioren und stellt sich täglich auf ihre körperlichen Gebrechen ein. Schließlich wollen die Knochen nicht mehr so wie Katze will. Für Katzenoma Gertrud hat die Tierpsychologin eine simple Sprunghilfe gebaut, ein Karton umwickelt mit einem Handtuch. Doch nicht immer möchte die alte Katzendame vom hohen Küchenschrank die Sprunghilfe nutzen. Das verändert sich von Tag für Tag. Solche und andere Eigenheiten sind typisch für alte Samtpfoten. Kater Leopold sprang früher mühelos überall rauf und runter. In letzter Zeit wackelt er ganz schön beim Balancieren über die Küchenbanklehne. Halterin Monika ist sich nicht ganz sicher, ob es an den Augen liegt oder ob ihm etwas wehtut. Wenn ihr Kater seine Streicheleinheiten abholt, nutzt sie die Gelegenheit, sich Leopold genauer anzuschauen. Sie prüft zum Beispiel nach, ob der Kater sich noch richtig putzt. Wenn es sein muss, hilft sie ihm mit Waschlappen und Bürste bei der Fellpflege.

Ernährung

Alte Hauskatzen neigen zu Übergewicht, bedingt durch den veränderten Stoffwechsel und durch zu wenig Bewegung. Tierpsychologin Monika Addy rät: Hauskatzen ein Drittel Energiereduziertes Futter geben, am besten ein hochwertiges Nassfutter, damit die Katze auch über das Futter Flüssigkeit aufnimmt. Freigängerin Gertrud hat keine Gewichtsprobleme. Sie kann draußen nicht mehr so viele Mäuse fangen und bekommt deshalb zu Hause mehrmals am Tag kleine Portionen Nassfutter. Das ist besser für ihre Verdauung, denn ihre Darmtätigkeit hat sich auch reduziert. Genügend Flüssigkeit ist bei alten Katzen besonders wichtig. Ein spezieller Katzenbrunnen hilft, das Trinken interessanter zu machen.

Regelmäßige Gesundheitskontrolle beim Tierarzt

Eine regelmäßige Untersuchung ist bei alten Samtpfoten nicht verkehrt. Über Schmerzen äußern sich Katzen – wenn überhaupt – erst sehr spät. Kater Leopold erhält heute beim Tierarzt Ralf Bandel in Bergkamen eine Komplettuntersuchung. Unter anderem schaut der Tierarzt nach dem Wasserhaushalt des Katers. Nierenversagen durch Austrocknung ist ein großes Problem, gerade bei alten Tieren. Bei Kater Leopold ist alles in Ordnung, nur am Rücken hat er wohl Schmerzen. Das ist der Grund, warum er nicht mehr so sicher springen und laufen kann. Schmerzen, die meistens durch Verschleiß oder Arthrose hervorgerufen werden, können bei alten Katzen zu unerwarteten Veränderungen im Verhalten, zu Aggressionen führen.

Kater Leopold muss eine Zeit lang Schmerztabletten nehmen, dann wird er hoffentlich wieder besser laufen können. Grundsätzlich empfiehlt Ralf Bandel bei alten Samtpfoten eine Behandlung, wenn die Katze noch ein katzenwertes Leben führt, das heißt, wenn die Katze noch frisst, trinkt und verschmust ist. Liegt die Katze nur noch in der Ecke und lässt alles unter sich, dann würde er in Absprache mit dem Halter das Leiden der Katze beenden.

 

Alte Katzen brauchen Lebensfreude

Die letzten Jahre zu Hause sollen Leopold und Gertrud es noch richtig schön haben. Dazu gehören Schleckereien, wie auch einmal eine Portion Sahne. Auch die täglichen Freigänge sollen bleiben wie bisher. Denn draußen auf Mäusejagd zu gehen, halten Leopold und Gertrud geistig auf Trapp – und es ist für die beiden ein Stück Lebensfreude.

Kontakt: Tel. 02306-36614

www.psychologie-tier.de

Autorin:

Heidi Sonderhoff